Rodney Graham

Buchattrappe nach: Friedrich Hildebrand, Die Gattung Cyclamen L., Jena 1898 (Frontispiz)

Buchattrappe nach: Friedrich Hildebrand, Die Gattung Cyclamen L., Jena 1898 (Frontispiz)

Cyclamen

1987

Installation

24 Buchattrappen

 

Standort

Temporäre Installation für die Dauer der Ausstellung:

Psychologisches Institut der Universität Münster

Institut für Botanik der Universität Münster

16 verschiedene Buchhandlungen in der Innenstadt Münsters, u.a.:

Buchhandlung Josef Thiele, Prinzipalmarkt 32

Rosta Buchladen, Aegidiistraße 12

Regensbergsche Buchhandlung, Alter Steinweg 1

Buchhandlung Schöningh, Bült 7–11

Universitätsbuchhandlung Krüper, Frauenstraße 42

Universitäts-Buchhandlung Coppenrath & Boeser, Bäckergasse 3

Fantastische Bücher, Königsstraße 12

Buchhandlung Ferdinand Coppenrath, Prinzipalmarkt 28

Buchhandlung Poertgen-Herder, Salzstraße 56

Rodney Graham

* 1948 in Vancouver, Kanada

lebt und arbeitet in Vancouver

1987 platzierte Rodney Graham 24 Kopien der Erstausgabe von Friedrich Hildebrands Monografie Die Gattung Cyclamen L.1 in den Schaufenstern verschiedener Buchhandlungen in Münster. Außerdem konnten Besucher_innen die botanische Abhandlung aus dem Jahr 1898 in den Schaukästen des Psychologischen Instituts und des Instituts für Botanik der Universität Münster auffinden. Im Gegensatz zum Original waren die Seiten von Grahams Büchern leer, lediglich das Deckblatt entsprach der antiquierten Ästhetik seiner Vorlage. Der subtile Eingriff in die Auslagen der Geschäfte war durch eine Passage aus Sigmund Freuds Traumdeutung inspiriert.2 Im „Traum von der botanischen Monographie“ beschreibt der österreichische Psychoanalytiker, wie er bei einem Stadtspaziergang auf Hildebrands Buch im Schaufenster einer Wiener Buchhandlung aufmerksam geworden war. Das löste eine Kette von Assoziationen aus, die jedoch wenig mit dem Inhalt der Abhandlung zu tun haben. Auch in Grahams Installation ging es nicht um Hildebrands Forschungsergebnisse. Die kopierten Attrappen von Die Gattung Cyclamen L. sollten vielmehr dazu anregen, das Sehverhalten im Stadtraum zu reflektieren und über das Verhältnis von Form und Inhalt nachzudenken. Wie viele der Buchobjekte des kanadischen Künstlers widersetzten sich die in Münster verteilten Buchattrappen der Lesbarkeit. Im Fokus stand nicht ihre Funktion als Träger von Ideen, sondern ihr visuelles und haptisches Erscheinungsbild.3

Sarah Kristin Happersberger

Friedrich Hildebrand, Die Gattung Cyclamen L., Jena 1898.

Vgl. Rodney Graham, „Projekt: Cyclamen“. In: Klaus Bußmann und Kaspar König (Hg.), Skulptur Projekte in Münster 1987, Ausst.-Kat.: Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Köln 1987, 109–112. Graham setzt sich in zahlreichen Werken mit Freuds Studien zum menschlichen Bewusstsein auseinander. Zur Rolle der Psychoanalyse in Grahams Werk vgl. beispielsweise Lynn Cooke, „A Can of Worms“. In: Grant Arnold, Jessica Bradley und Cornelia Butler (Hg.), Rodney Graham. A Little Thought, Ausst.-Kat.: Art Gallery of Ontario u. a., Toronto 2004, 62–71.

Christa Maria Lerm Hayes verweist in diesem Kontext unter anderem auf Grahams Lesemaschinen und Buchvitrinen, vgl. Christa Maria Lerm Hayes, „Rodney Graham. Literatur und was ein Künstler damit macht“. In: Friedrich Meschede (Hg.): Rodney Graham. Through the Forest, Ausst.-Kat.: Museu d’Art Contemporani de Barcelona u. a., Ostfildern 2010, 82.

Standort

Buchattrappe nach: Friedrich Hildebrand, Die Gattung Cyclamen L., Jena 1898 (Frontispiz)

Rodney Graham
Cyclamen

None

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum