Jeremy Deller

Abbildung folgt

Speak to the earth and it will tell you [Sprich zur Erde, sie wird es dir sagen]

2007

54 großformatige gebundene Tagebücher für die Dokumentation in den Schrebergartenkolonien, 32 x 24 x 8,5 cm, grüner Leineneinband, rote Lettern, rotes Band, eingestanztes Pflanzenmotiv

Zwei Gästebücher für die mitwirkenden Schrebergartenkolonien Mühlenfeld e.V. und Martini e.V., 32 x 21,5 x 3 cm

Tütchen mit Saatgut des Taschentuchbaumes (Davidia involucrata) sowie die dazugehörige Karte mit Anzuchts- und Pflegehinweisen für die Besucher der Gärten

 

Standort

Schrebergartenkolonien Mühlenfeld e. V., Lublinring 1, und Martini e. V., Gartenstr. 174

 

 

Jeremy Deller

* 1966 in London, Großbritannien

lebt und arbeitet in London

 

 

Schrebergärten sind Oasen der Erholung und des Rückzuges ins Private. Anfang des 19. Jahrhunderts legten deutsche Kommunen erste Armen- und Spezialgärten an, um der städtischen Arbeiterschaft ihre Selbstversorgung zu ermöglichen sowie die Lebensqualität durch den Kontakt mit der Natur zu verbessern. Im Spätkapitalismus hingegen verstand man sie als Refugien bürgerlicher Selbstverwirklichung, abseits gesellschaftlichen Leistungsdruckes. Jeremy Deller erkannte in den Münsteraner Schrebergärten heterotope Mikroutopien innerhalb der lokalen Kultur. Im Sinne Michel Foucaults betrachtete er sie als Orte, an denen gesellschaftliche Normen und Konventionen gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet werden können. Deller, hinreichend mit dem hohen Stellenwert und der sozialen Funktion des Gartens seit John Ruskin, William Morris und der britischen Arts-and-Crafts-Bewegung vertraut, bat Mitglieder von 54 Schrebergartenkolonien im Stadtraum Münster, Tagebuch zu führen. Im Zeitraum von 2007 bis 2017 sollten sie ihr Spezialwissen bezüglich Flora und Fauna, beispielsweise Baumschnitt, Saat- und Blütezeiten oder Insektenvorkommen, festhalten. Ebenso sollten sie soziale Aktivitäten, gesellschaftliche Ereignisse und für die Gärtner Relevantes dokumentieren. Auf diese Weise hatten die Schrebergärtner_innen die Möglichkeit, ihre subjektive Chronik zu schreiben. Dieses individuelle Lebensgefühl wie auch der Zeitgeist kommen bei Durchsicht der Bücher zum Ausdruck.

Die konzeptuelle Arbeit Dellers repräsentiert darüber hinaus den Gestaltungswillen der Kleingärtner_innen in Bezug auf den Partizipationsdiskurs seit den 1990er Jahren. Während Themen wie Urban Gardening, Street Art oder Community-Based Art im Kunstfeld breit diskutiert wurden, lagen Schrebergärten abseits des Interesses. Deller machte sie als traditionelles Element einer Gemeinschaftsbildung wieder diskursfähig.

 

Thorsten Schneider

 

Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum

Weitere Teilnahmen

Weitere Teilnahmen dieses Künstlers: 2017