Mike Kelley

Installationsansicht 2007 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017. Foto: Roman Mensing / artdoc.de

Installationsansicht 2007 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017. Foto: Roman Mensing / artdoc.de

Petting Zoo [Streichelzoo]

2007

Installation aus einem Holzpavillon mit Streichelzoo

 

Standort

Innenhof Von-Steuben-Straße 4–6, temporäre Aufstellung während der skulptur projekte münster 07

 

Mike Kelley

* 1954 in Detroit, Michigan, USA

† 2012 in Los Angeles, Kalifornien, USA

 

Die alttestamentarische Geschichte von Lot und seiner Frau aus dem Buch Genesis erzählt von dem einzigen gottesfürchtigen Bewohner Sodoms, dessen Frau bei der Flucht aus der zum Untergang verdammten Stadt gegen Gottes ausdrückliches Verbot zurückblickte. Dieser Ungehorsam wurde unverzüglich bestraft: Lots Frau erstarrte zu einer Salzsäule.

Einer Erinnerung an seine Kinderbibel folgend, ließ Mike Kelley in der berühmten Salzmine Wieliczka in Krakau eine Figur der zur Säule erstarrten Frau anfertigen. Diese platzierte er in einem als Stall dienenden Pavillon mit integrierter Koppel, dessen tierische Bewohner sich frei im Inneren und Äußeren der Anlage aufhalten konnten. Die Tiere leckten gelegentlich an der Salzsäule, sodass sie sich über den Ausstellungszeitraum veränderte. Drei Videos zeigten als „Lots Frau“ bekannte Felsformationen in Afrika, Asien und Australien. Die Verweise auf die in der Gesellschaft verankerten Tabus und Ängste, für die Kelley bekannt war, tauchten hier vor der harmlosen Kulisse eines Streichelzoos auf. Die Geschichte der „sündige[n] Dekadenz Sodoms und Gomorrhas“1 ließe sich auch auf die Stadt Münster übertragen, in der man ebenso gesellschaftliche Abgründe, unheimliches Verlangen und verborgene Wünsche entdecken könnte.

 

Elena Winkler

 

 

1 Mike Kelley, „Petting Zoo“. In: Brigitte Franzen, Kasper König und Carina Plath (Hg.), skulptur projekte münster 07, Ausst.-Kat.: LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Köln 2007, 127.

Bilder

Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum