Michael Dean

Installationsansicht 2017, Foto: Henning Rogge

Installationsansicht 2017, Foto: Henning Rogge

Tender Tender [sei zärtlich, sei zärtlich]

2017

 

Installation

Folie, Beton, Sticker, Metall, Papier, Plastiktüten

 

Installation im Lichthof auf einer Fläche von ca. 215 m²;

Skulpturen vor dem Museum ca.

152 × 40 cm

107 × 35 cm

170 × 45 cm

175 × 45 cm

 

Standort

Lichthof im Altbau des LWL-Museum für Kunst und Kultur und Außenbereich vor dem Altbau, Domplatz 10

 

Temporäre Aufstellung für die Dauer der Ausstellung

Michael Dean

* 1977 Newcastle upon Tyne, Vereinigtes Königreich

lebt in London, Vereinigtes Königreich

Michael Dean entwickelt in vielen seiner Arbeiten eine Art skulpturale Schrift im Raum. Seine Objekte, häufig aus Materialien wie Zement, Sand und Erde gefertigt, stellen jedoch nicht unbedingt spezifische Buchstaben dar, sondern sind vielmehr als abstraktes Zeichensystem zu verstehen. Im Zusammenspiel – wie Wörter in einem Satz – generieren sie Bedeutung.

Der Künstler installierte im Lichthof des LWL-Museum für Kunst und Kultur eine großflächige, transparente Plastikfolie, die von der Balustrade im ersten Stock bis zum Boden fiel, diesen bedeckt und einen Raum im Raum schafft. Bis auf einen Zugang, der sich am ehemaligen Haupteingang zum Domplatz orientiert, waren die Wege in den Lichthof durch die Folie verhängt. Dean stellte so die in den historischen Bauplänen des Museumsaltbaus festgelegte Laufrichtung durch den Säulenumgang wieder her. Durch Gucklöcher in Augenhöhe konnten die Besucher_innen einen Blick auf die Skulpturen im hinter der Folie liegenden Lichthof werfen. Die Körpergröße des Künstlers, die seiner Frau und seiner Kinder gaben vor, in welcher Höhe die Löcher angebracht wurden. Den Besucher_innen wurde durch das Hineinschauen eine performative Rolle des Betrachtens und Betrachtet-Werdens zugewiesen. Zentral für die Installation war ein aus Betonplatten gelegter, begehbarer Weg in Form des Buchstabens „f“, den Dean immer wieder in sein Werk einfügt: In Schreibschrift ist das f sowohl konkreter Buchstabe als auch eine kontinuierliche abstrakte Linie. Die Skulpturen im Innenraum erinnerten an Straßenlaternen, öffentliche Mülleimer, Abfälle, an Objekte des urbanen Stadtraums. Die Folie wurde mit Stickern beklebt. Im direkt angrenzenden Außenraum, auf dem Domplatz, befestigte Dean mit Fahrrad- und Vorhängeschlössern skulpturale Objekte an den Laternenmasten. Er führte somit eine urbane Erzählung im musealen Kontext fort – und vice versa – eine Rückführung von Skulptur in den Stadtraum.

Die Verknüpfung von Museums- und Stadtraum spielte bereits im Rahmen der Skulptur Projekte 1977 eine Rolle: Joseph Beuys plante mit seiner Arbeit Unschlitt / Tallow einen Fettkeil im Stadtraum zu installieren; die Arbeit wurde allerdings in den Lichthof verlegt. Die thematische Ausrichtung einer Reflexion von urbanem Außen- und architektonischem Innenraum war in der Folge oft präsent an diesem Ort, der selbst wie eine nach innen gewendete Außenarchitektur erscheint. Ausgangspunkt für Deans skulpturales Werk ist sein Interesse an Buchstaben, Wörtern und Sätzen als Teile eines kontingenten Bedeutungsgefüges. Die exzessive Verwendung der von Dean in Anlehnung an bestehende Layouts gestalteten Sticker an verschiedenen Stellen und auf unterschiedlichen Untergründen zitiert Techniken der Street Art, die vermehrt als sogenanntes Guerilla-Marketing von Firmen vereinnahmt wird. Dean führt diese wieder in den Kunstkontext zurück.

 

Niko Anklam

Bilder

Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum