Lara Favaretto

Installationsansicht 2017, Foto: Henning Rogge

Installationsansicht 2017, Foto: Henning Rogge

Momentary Monument – The Stone, [Momenthaftes Monument – Der Stein]

 

Skulptur

Tittlinger Grobkorn (Granit)

 

Maße

ca. 420 × 140 × 155 cm

 

Standort

Nordöstliche Wiese zwischen Ludgeriplatz und Promenade (hinter den Bushaltestellen)

 

Zweiter Teil der Arbeit in Marl auf dem Rathausvorplatz,Creiler Platz 1

Spenden gehen an Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e. V.

 

Temporäre Aufstellung für die Dauer der Ausstellung

Lara Favaretto

* 1973 in Treviso, Italien

lebt in Turin, Italien

Die Objekte Lara Favarettos zeichnen sich durch eine minimalistische Formensprache aus, die jedoch anhand der bewusst gewählten ortspezifischen Einbettung eine starke soziale und politische Bedeutungsaufladung erfahren. Aus Stein und Metall gefertigt, vermitteln sie zunächst den Eindruck, als wären sie für eine längere Dauer entworfen. Die Arbeiten verschwinden durch Demontage oder vollständige Zerstörung jedoch zum Ende einer Ausstellung.

Favaretto realisiert ihre fortlaufende Serie Momentary Monuments in verschiedenen Formen seit 2009. Für Münster wurde diese Serie an der Promenade und in der benachbarten Stadt Marl jeweils mit einem von innen ausgehöhlten Granit-Monolithen fortgeführt. Der vier Meter hohe Stein erschien wie ein Fremdkörper oder eiszeitlicher Findling. Zugleich war er beim Umlaufen eindeutig als handwerklich bearbeitet erkennbar und warf damit die Frage nach seiner Funktion auf. Durch einen kleinen Schlitz konnte Geld eingeworfen werden. Zum Ende der Ausstellungszeit wurde der Stein zerstört, der Schotter einer neuen Funktion zugeführt und das gesammelte Geld einem wohltätigen Zweck gespendet. Die Künstlerin hat sich dabei für die Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e. V. entschieden.

Favarettos Monument war zu Beginn der Ausstellung leer und im besten Sinn bedeutungslos. Monumente oder Denkmale des öffentlichen Raums verweisen gewöhnlich entweder auf ein bestimmtes Ereignis oder eine Person der Vergangenheit, um sie in der Gegenwart präsent zu halten. Gelder für die Errichtung von Monumenten werden gewöhnlich vorab gesammelt, um sie als Auftragsarbeit von Künstler_innen ausführen zu lassen. Favaretto verschob mit ihrem künstlerischen Konzept diese übliche Genese und deutete Funktionen um. Insbesondere die kurze Lebensdauer des Objekts und seine Zerstörung unter Weiterverwendung der Bruchstücke und Überreste stehen einer institutionalisierten Denkmalpflege diametral entgegen.

Die symbolische Bedeutung des Objekts generierte sich nicht aus der Form selbst, sondern durch den ortsspezifischen Zusammenhang: Auf der Promenade trat die Arbeit in Dialog mit dem Train-Denkmal aus den 1920er Jahren und der nahe gelegenen Ausländerbehörde, der in der Mitte gelegene Kreisverkehr verbindet die unterschiedlichen Zusammenhänge topografisch miteinander. Das Train-Denkmal ehrt das gleichnamige Bataillon sowie namentlich zwei in den Kolonialkriegen in ehemals Deutsch-Südwestafrika und beim Boxeraufstand in China gefallene höhere Militärs. Die gesammelten Spenden gingen an eine Stiftung, die seit 1996 Geflüchtete in einer sogenannten Unterbringungseinrichtung für Ausreisepflichtige betreut. Die in Nähe der Kleinstadt Büren auf dem Land gelegene Einrichtung ist für Geflüchtete in ganz Nordrhein-Westfalen zuständig, insofern war auch der Spendenzweck des Momentary Monument in Marl der gleiche. Durch die Spendenfunktion entstand ein starker Bezug zur Gegenwart, der im weiteren Sinne das Verhältnis zwischen Kunst und Politik kritisch reflektierte.

 

Nico Anklam

Bilder

Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum