Hervé Youmbi

Installationsansicht 2017, Foto: Henning Rogge

Installationsansicht 2017, Foto: Henning Rogge

Les masques célèstes [Himmlische Masken]

2017

 

Installation

Holz, Glasperlen, Holzleim, Baumwollfäden, Silikon

 

Maße

Große Masken

200 × 40 × 45 cm

184 × 46 × 42 cm

193 × 41 × 41 cm

200 × 35 × 31 cm

 

Kleine Masken

103 × 35 × 27 cm

084 × 37 × 32 cm

082 × 37 × 33 cm

100 × 33× 27 cm

 

Standort

Überwasserfriedhof, Wilhelmstraße / Schlosspark

 

Temporäre Installation für die Dauer der Ausstellung

 

Eigentümer

Nach Ende der Skulptur Projekte 2017 wurde die Arbeit mit privater Unterstützung für die Sammlung des LWL Museums für Kunst und Kultur angekauft. Sie wird fortan in temporären Ausstellungen gezeigt.

Hervé Youmbi

* 1973 Bangui, Zentralafrikanische Republik

lebt in Doulala, Kamerun

Hervé Youmbi reflektiert in verschiedensten Medien die (post-)koloniale Situation des afrikanischen Kontinents. Mit Objekten und einer ikonografisch hybriden Formsprache, gespeist aus westlicher Popkultur sowie der vorkolonialen und kolonialen Kunstproduktion in West- und Zentralafrika, widerspricht er der Idee von einer singulären kulturellen Identität.

Youmbis Installation befand sich auf dem stillgelegten Überwasserfriedhof. In unmittelbarer Nähe zum Grab des Generals Ludwig Roth von Schreckenstein waren in circa zehn Metern Höhe vier Masken angebracht. Vier weitere kleinere Masken hingen direkt in den Bäumen. Les masques célèstes zitieren Elemente der westlich-kapitalistischen Popkultur – klar erkennbar ist die Referenz zur Maske aus dem US-amerikanischen Horrorfilm Scream (1996), deren Gestaltung wiederum durch Edvard Munchs Gemälde Der Schrei (1893) inspiriert wurde. Neben diesem ikonischen Motiv für Angst und Schrecken stehen animistische Zeichen verschiedener afrikanischer Kulturen. Sie fungieren laut Youmbi als Einladung an die Geister der Toten, während feierlicher Zeremonien in die Masken zu fahren und sie zu besetzen. Youmbis Objekte wurden in Maskenwerkstätten in Kamerun gefertigt. Seine Intervention an einem Ort christlicher Begräbniskultur und Totenerinnerung wirft Fragen nach Religiosität, Spiritualität und Aberglaube auf. Seine Arbeit beleuchtet die Objekte und Plätze anhand derer wir Verbindungen zwischen Diesseits und Jenseits herstellen und reflektiert anhand welcher Parameter diese kulturellen Praktiken als gültig, wirkmächtig oder authentisch erachtet werden.

Die westliche Moderne und die Masken des afrikanischen Kontinents verbindet eine lange wie problematische Geschichte. Masken wurden seit jeher aus dem rituellen Gebrauchskontext herausgelöst, als rein formale, ästhetische Inspirationsquellen gedeutet und als Trophäen an die Wand gehängt. Das Interesse und die kommerzielle Nachfrage des Westens löste einen Produktionsboom von Masken aus, der bis heute Gutachter_innen in Auktionshäusern beschäftigt. Diese Geschichte steht unter den Vorzeichen von Mystifizierung, Fetischisierung und thematisiert die rituelle Authentizität. Bekannt ist auch, dass viele der Objekte, die außerhalb des afrikanischen Kontinents als genuin afrikanisch verstanden werden, in Wirklichkeit koloniale und kulturelle Hybride sind. Auch in diesen Masken finden sich Perlen, die in Italien produziert wurden und seit Jahrhunderten in den rituellen Objekten Kameruns verarbeitet werden. Youmbi verdeutlicht durch den ortsspezifischen Zusammenhang des Grabmals Von Schreckenstein eine besondere Dringlichkeit: von Schreckenstein ist als Gisant, als just entschlafene Liegefigur mit geschlossenen Augen dargestellt. Über der Plastik schwebten die himmlischen Masken, in denen sich auch die Darstellung eines Vogels findet, der eine Eidechse auf dem Rücken trägt. Beide Tiere fungieren als Boten zwischen Diesseits und Jenseits. Youmbi verband einen europäischen, christlichen Totenkult mit einer einer Serie von (pseudo-) animistischen Hybridobjekten, und fragte unter welchen Bedingungen uns ein Glaubenssystem als authentisch erscheint.

Nico Anklam

Bilder

Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum