Dennis Adams

Installationsansicht 2017. Foto: Hubertus Huvermann

Installationsansicht 2017. Foto: Hubertus Huvermann

Bus Shelter IV [Bushaltestelle IV]
1987
Aluminium, Holz, Plexiglas, Zweiwegspiegelglas, Fotografien, Leuchtstoffleuchten
3 x 4,65 x 3,1 m

 

Standort
1987–1992 Haltestelle am Domplatz
ab 1998 Haltestelle Aegidiimarkt A / LWL-Museum, Johannisstraße, permanente Installation

 

Eigentümer
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
Erworben mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen

Dennis Adams

* 1948 in Des Moines, USA
lebt und arbeitet in New York, USA

Dennis Adams kombiniert in seinen ortsspezifischen Installationen im öffentlichen Raum häufig Fotografie mit Architektur. Dabei entwickelt er funktionale Objekte wie Kioske und Trinkhallen. 1983 begann er mit der Arbeit Bus Shelter I eine Serie von Bushaltestellen. Die Architektur dient Adams dabei als formaler Rahmen für Fragmente eines kollektiven Bildwissens und der Auseinandersetzung mit der medialen Wahrnehmung historischer Ereignisse.1

So auch in der Arbeit Bus Shelter IV, die Adams für die Skulptur Projekte in Münster 1987 konzipierte. Das verschachtelte Wartehäuschen ähnelt dem Aufbau konventioneller Haltestellen mit der Ausnahme, dass sowohl an der Vorder- als auch an der Rückseite eine Sitzbank angebracht ist. An beiden Enden der parallel zueinander angeordneten Sitzgelegenheiten befindet sich jeweils ein großformatiger, beidseitig mit einer Fotografie bespielter Leuchtkasten. Die schräg gegenübergestellten Zwischenwände aus semitransparenten Spiegeln reflektieren die Motive der Leuchtkästen. Es handelt sich dabei nicht – wie sonst üblich – um bunte und verführerische Werbemotive, sondern um Fotografien mit Bezug zur nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands und deren Aufarbeitung.

Adams bezieht sich in seiner Arbeit auf ein zeitaktuelles Geschehen im Sommer 1987: Auf den nach außen gerichteten Fotografien ist im Vordergrund der Rechtsanwalt Jacques Vergès zu sehen, während er den hinter ihm sitzenden SS-Kriegsverbrecher Klaus Barbie in Frankreich vor Gericht vertritt. Die beiden nach innen gerichteten Bilder zeigen eine vergrößerte Detailaufnahme dieser Fotografie: einen Zuschauer im Hintergrund. Adams greift mit der Arbeit in unsere gewohnte Umgebung ein, die reflektierenden Glasscheiben fungieren wie diffuse Spiegel und befragen die Beziehung der Schauenden zur Stadt und zur Geschichte.
Adams stellte die Bushaltestelle zunächst am Domplatz gegenüber dem ehemaligen Haupteingang des Westfälischen Landesmuseums auf. 1992 ging die Arbeit an die Galerie Kent Fine Art, New York, konnte jedoch 1998 vom LWL-Museum für Kunst und Kultur mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen erworben werden. Heute ist Bus Shelter IV an der Haltestelle Aegidiimarkt A / LWL-Museum, Johannisstraße installiert und damit in der Nähe des seit 2014 südlich gelegenen Museumseingangs.

Konstanze Klecha

1 Klaus Bußmann und Kasper König (Hg.), Skulptur Projekte in Münster 1987, Ausst.-Kat.: Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Köln 1987, 19–22.

Bilder

Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum