George Brecht

Installationsansicht 2017. Foto: Hubertus Huvermann

Installationsansicht 2017. Foto: Hubertus Huvermann

Three VOID-Stones [Drei LEERE-Steine]

1987

Findling, graviert (einer von ursprünglich drei Steinen)

verbleibender Stein: 75 x 120 x 125 cm

 

Standort

Äußerer Schlossgarten, Höhe Edith-Stein-Straße, permanente Aufstellung

Standorte der weiteren zwei Findlinge 1987: Bispinghof 3, Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Münster und an der Ecke Bogenstraße/Neubrückenstraße

 

Eigentümer

Stadt Münster

George Brecht

* 1926 in New York, USA
† 2008 in Köln, Deutschland

Viele Jahre lag ein Findling unbeachtet auf einer Wiese des äußeren Schlossgartens. Im Vorfeld der Skulptur Projekte in Münster 1987 entdeckte George Brecht den Stein und ließ das Wort „VOID“ eingravieren. Zwei weitere Findlinge wurden ebenfalls graviert; einer wurde auf dem Universitätsgelände, der andere an einer stark frequentierten Innenstadt-Kreuzung platziert. So wurden die Einwohner der Stadt an Orten sehr unterschiedlicher Qualität mit großen, durch Naturgewalt geformten Steinen samt Gravur konfrontiert. Die Begegnung mit den Steinen ist damals wie heute ein faszinierendes Spiel zwischen Sehen und Lesen, das in der grundsätzlichen Frage nach dem Kunst-Charakter der Arbeit mündet.

In seiner Projektbeschreibung „Three Projects for Münster“ gibt Brecht in knappen Worten Anweisungen zur Auswahl und zur Platzierung der Steine.1 In beiden Phasen spielt der kalkulierte Zufall eine wichtige Rolle, sodass die 1987 erfolgte Umsetzung tatsächlich nur eine von vielen möglichen Realisierung darstellt. Damit rückt die Arbeit in die Nähe der Event Scores (Ereignis-Partituren), die Brecht angeregt durch John Cage seit Ende der 1950er Jahre entwickelte und die sein Werk bis zu seinem Tode begleiteten. Diese Scores sind Handlungsanweisungen für Performances oder für die Behandlung von Gegenständen, die oft banal klingen, aber in der Realisierung gerade durch diese Einfachheit eine besondere Magie entfalten.

Brecht beschäftigte sich intensiv mit dem Zen Buddhismus und es lässt sich ein Bezug zum Hannya Shingyo herstellen, einem bedeutenden Zen-Text. Den dort enthaltenen Aphorismus „Form ist Leere, Leere ist Form“ hatte er wahrscheinlich im Sinn, als er 1986 formulierte: „Es gibt eine gewisse Erfahrungsweise, bei der man wahrnehmen kann, dass auch ein Stein leer ist.“2 So sind die Three VOID-Stones mehr als Ready-mades. Durch sie stellt Brecht die Frage nach dem Verhältnis von Natur und Kultur als Frage der Wahrnehmung. „Sein Ziel war nicht, Kunst zu schaffen, sondern eine Kunst-ähnliche Achtsamkeit den Details des Lebens gegenüber zu generieren.“3

Eckhard Kluth

1 Klaus Bußmann und Kasper König (Hg.), Skulptur Projekte in Münster 1987, Ausst.-Kat.: Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Köln 1987, 52.

2 Alfred M. Fischer: „No words will ever …”. In: Julia Robinson, George Brecht: Events; Eine Heterospektive / George Brecht: Events; A Heterospective, hrsg. von Alfred M. Fischer, Ausst.-Kat. Museum Ludwig, Köln / Museu d’Art Contemporani, Barcelona, 2005–2006, Köln 2005, 182–203, hier 201.

3Julia Robinson: Das Event definieren: Partituren, Aktionen, Objekte und Distributionsformen. In: Robinson 2005, 60–71, hier 61.

Standort

Installationsansicht 2017. Foto: Hubertus Huvermann

George Brecht
Three VOID-Stones [Drei LEERE-Steine]

Zweiter Standort

Installationsansicht 2017. Foto: Hubertus Huvermann

George Brecht
Three VOID-Stones [Drei LEERE-Steine]

Dritter Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum