Elin Wikström / Anna Brag

Aktion 1997.  © VG Bild-Kunst, Bonn 2017. Foto: Roman Mensing / artdoc.de

Aktion 1997. © VG Bild-Kunst, Bonn 2017. Foto: Roman Mensing / artdoc.de

Returnity [Umkehr]

1997

Partizipatorisches Projekt

Pavillon aus Holz, Fahrräder, elektronische Anzeigentafel, Multiples mit Zahnrädern

 

Standort

Promenade, oberhalb der Geländesenke zwischen Aegidiistraße und Kanonengraben,

temporäre Aktion für die Dauer der Skulptur. Projekte in Münster 1997

 

Elin Wikström / Anna Brag

* 1965 in Karlskrona, Schweden

lebt und arbeitet in Göteborg, Schweden, und Umeå, Schweden

 

Elin Wikström und Anna Brag richteten für die Skulptur. Projekte in Münster 1997 eine Fahrradfahrschule als ein nichtkommerzielles Unternehmen ein. Diese Fahrschule orientierte sich am Angebot von Fahrradvereinen und verfügte über ein Klubhaus und einen Übungsplatz an der Promenade, dem berühmten kreisförmigen Fahrradweg um die Münsteraner Innenstadt. Als Trainerinnen unterstützten die Künstlerinnen drei Monate lang Interessierte dabei, das Fahrradfahren noch einmal anders zu lernen: Auf eigens für den Klub konstruierten Fahrrädern wurde das Rückwärtsfahren geübt. Eine Hilfe bei dem ungewöhnlichen Balanceakt boten Rückspiegel und Stützräder, weitere Unterstützung erhielten die mit Helm und Warnweste ausgestatteten Fahrschüler_innen von den Künstlerinnen.

Die Statistik der vor- und rückwärts Fahrenden wurde auf einer elektronischen Anzeigentafel am Klubhaus präsentiert. Wer sich für die neuartige Fahrtechnik begeisterte, konnte die zur Umrüstung seines Fahrrades benötigten Zahnräder als Multiple erwerben oder an den Ausflügen und Vorträgen des Klubs teilnehmen.1

Mit Returnity griffen Wikström und Brag einerseits das Image der fahrradfreundlichen Stadt Münster auf, andererseits thematisierten sie die aktive Vereinsarbeit deutscher Staatsbürger_innen.2 Als soziale Plattform lud ihr Projekt dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam eine Fähigkeit zu erwerben, die eine neue Form von Stadtwahrnehmung ermöglichte. Durch die Verkehrung der Fahrtrichtung führten die Künstlerinnen nicht nur die Alltagsroutine ad absurdum, sondern testeten auch die Bereitschaft zur Veränderung von Verhaltensformen.

 

Sarah Kristin Happersberger

 

1 Vgl. Maria Lind, „Elin Wikström / Anna Brag – Returnity. In: Klaus Bußmann, Kasper König und Florian Matzner (Hg.), Skulptur. Projekte in Münster 1997, Ausst.-Kat.: Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Ostfildern-Ruit 1997, 452–455.

2 Vgl. Maria Lind, „Returning on Bikes. Notes on Social Practice“. In: Nato Thompson (Hg.), Living as Form. Socially Engaged Art from 1991–2011, Cambridge, Massachusetts, 2012, 47.

 

Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum