Paul-Armand Gette

Tei 1 / Installationsansicht 1997 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017. Foto: Roman Mensing / artdoc.de

Tei 1 / Installationsansicht 1997 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017. Foto: Roman Mensing / artdoc.de

Virtuelle Skulptur oder das Zeichen der Aphrodite

1997

Dreiteilige Installation

 

Teil 1:

600 weiße Plastikschilder mit schwarzer Beschriftung („Cypripedium calceolus L. [ Gelber Frauenschuh]“), je 7 x 11 x 0,1 cm, zu einer Dreiecksform in den Boden gesteckt

Standort: südlicher Schlossgarten

Teil 2:

Drei weiße Plastikschilder mit schwarzer Beschriftung („Crataegus sp.“, „Alnus glutinosa [L.] Gaertner“, „Phyllostachis bambusoides Sieb & Zuc.“), je 7 x 11 x 0,1 cm

Standort: auf der Insel des Teiches westlich der Kanalstraße und nördlich der Promenade

Teil 3:

Ein weißes Plastikschild mit schwarzer Beschriftung („0.“), 32 x 45 x 0,5 cm

Standort: an einem Baum südöstlich des Teiches an der Engelenschanze

Temporäre Aufstellung für die Dauer der Skulptur. Projekte in Münster 1997

Paul-Armand Gette

* 1927 in Lyon, Frankreich

lebt und arbeitet in Paris, Frankreich

Paul-Armand Gette entwarf 1997 eine Virtuelle Skulptur für drei Standorte, die die Ecken eines gedachten Dreiecks über Münsters Stadtgebiet markierten. „Ist es [das Dreieck] das Bermuda-Dreieck, Ort aller vermißten Schiffe, oder das der Göttin, der Venushügel, das Geschlecht der Aphrodite?“1, fragte der Künstler in seiner Projekterläuterung. An den drei Positionen stellte Gette Textschilder auf, die auch Botaniker für Pflanzenangaben verwenden. Im Schlossgarten steckte er ein Dreieck mit 600 Schildern ab, die auf die Orchidee Frauenschuh hinwiesen. Eine kleine Insel an der Promenade versah er mit drei weiteren Schildern und nahe der Engelenschanze markierte er einen Baum mit einer Null – ein Verweis auf frühere Arbeiten, die zu Randbereichen von Landschaften geführt hatten.

Gettes Werk verknüpfte Kunst, Wissenschaft, Natur und die Metaphorik von Räumen. Der Frauenschuh, die Dreiecke, das sprießende Grün, die Nähe zum Wasser und die Null – für den Konzeptkünstler waren dies alles Sinnbilder der Fruchtbarkeit und Weiblichkeit. Jede Station der Virtuellen Skulptur lag an einem atmosphärischen Ort. Unter dem Vorwand, Aphrodite, der antiken Göttin der Liebe, zu huldigen, begab sich Gette auf eine Spurensuche nach Ursprünglichkeit – ein Ideal, das in verschiedenen Kulturen sowohl im Schoß der Frau als auch in der Natur gesucht wird.

 

Daniel Friedt

1 Paul-Armand Gette, „Über die Virtualität der Skulptur“. In: Klaus Bußmann, Kasper König und Florian Matzner (Hg.), Skulptur. Projekte in Münster 1997, Ausst.-Kat.: Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Ostfildern-Ruit 1997, 163.

Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum