Hans Haacke

Installationsansicht 1997 © VG Bild-Kunst, Bonn. Foto: Roman Mensing / artdoc.de

Installationsansicht 1997 © VG Bild-Kunst, Bonn. Foto: Roman Mensing / artdoc.de

Standort Merry-go[-]round

1997

Installation

Gebrauchte, unbehandelte Holzbohlen, NATO-Draht

 

Standort

Auf der Promenade am Mauritztor / Ecke Fürstenbergstraße neben dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen der deutschen Einigungskriege von Bernhard Frydag, temporäre Installation für die Dauer der Ausstellung

Hans Haacke

* 1936 in Köln, Deutschland

lebt und arbeitet in New York, USA

 

Direkt neben das „Ehrenmal am Mauritztor“ von Bernhard Frydag platzierte Hans Haacke ein Karussell und verkleidete es mit einem zylinderförmigen Bretterverschlag aus gebrauchten, ungehobelten Holzbohlen mit abschließendem NATO-Draht. Einblicke auf das sich darin in voller Fahrt drehende Gefährt gewährten lediglich kleine Spalte zwischen einigen Brettern. Durch diese drangen auch das Licht einer Lichtorgel und Jahrmarktsmusik nach außen, deren Melodie bei genauerem Hinhören als deutsche Nationalhymne zu erkennen war. Die Betrachter_innen blieben vom Vergnügen der Fahrt ausgesperrt.

Frydags Denkmal in Erinnerung an die preußischen Kriege wird im Münsteraner Volksmund auch „Mäsentempel“ genannt: Umrundet wird das übermannshohe Werk von steinernen Standfiguren, die ihre „Mäsen“ – hochdeutsch „Hintern“ – nach außen kehren. Haacke nahm die Geschlossenheit des kompakten Körpers des Kriegerdenkmals auf. In direkter Analogie konterkarierte er mit dem Kinderkarussell das nationale Pathos des Gedenkens. Der identitätsstiftenden Funktion des Kriegerdenkmals setzte er das Amüsement der Kirmes entgegen. Er entlarvte die immer gleiche ,Leier‘ nationaler Gründungsmythen als leere Fiktion und offenbarte damit die Banalität versteinerter Pathosformeln.

 

Thorsten Schneider

 

Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum