CAMP (Shaina Anand, Ashok Sukumaran)

Installationsansicht 2017, Foto: Henning Rogge

Installationsansicht 2017, Foto: Henning Rogge

Matrix

2017

 

Installation

Schwarzes Kabel, Monitore, Schalter, Lautsprecher, benutzerdefinierte Elektronik

 

Standort

Theater Münster, Innenhof, 1. Obergeschoss, Zugang über Außentreppe

Neubrückenstraße 63

 

Temporäre Installation für die Dauer der Ausstellung

 

CAMP (Shaina Anand, Ashok Sukumaran)

* 1975 Bombay, Indien

lebt in Mumbai, Indien

 

* 1974 Hokkaido, Japan

lebt in Mumbai, Indien

CAMP ist ein interdisziplinär arbeitendes Studio, derzeit bestehend aus Shaina Anand, Ashok Sukumaran, Zinnia Ambapardiwala, Simpreet Singh und weiteren Akteur_innen, das sich projektbezogen immer wieder neu zusammensetzt. In Langzeitprojekten entwickelt es unterschiedliche Varianten von investigativer, kultureller Arbeit im 21. Jahrhundert. CAMP nutzt verschiedene Medien – Kameraüberwachungsysteme (CCTV), Elektrizität, Archive; viele Projekte zeichnen sich durch eine Affinität zu technologischen Prozessen aus.

Für die Skulptur Projekte 2017 realisierten Ashok Sukumaran und Shaina Anand als CAMP ein Werk im Theater Münster. Die Architekten dieses ersten Theaterneubaus in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg (Harald Deilmann, Max von Hausen, Ortwin Rave und Werner Ruhnau) integrierten einen Teil der Fassade der vorherigen Spielstätte, des zerstörten Romberger Hofs, in das moderne Bauensemble. Zwischen der Ruine und der Glasfassade aus den 1950er Jahren spannte CAMP ein Netz aus Kabeln. Der Ausstellungsort wurde in eine fiktive Erweiterung des Gebäudes verwandelt, die das bestehende Gefüge aus Zerstörung und Wiederaufbau, aus Außen- und Innenraum betonte und verband. Das neue Bezugssystem erweiterte die vorhandenen Zeitschichten, aus heutiger Sicht beide in der Vergangenheit angesiedelt, um die Frage nach dem Verhältnis zwischen den utopischen Verheißungen der Nachkriegsmoderne und der Gegenwart. Das von CAMP gespannte Netz stand sinnbildlich für eine globale Vernetzung und das bis heute nicht eingelöste Versprechen einer flächendeckenden, horizontalen, basisdemokratischen Partizipation. Mit an Stromkabeln herunterhängenden Schaltern konnten die Besucher_innen verschiedene Veränderungen in der unmittelbaren Umgebung auslösen und so aus einer Vertikalen in die Horizontale eingreifen.

CAMP metaphorisiert Systeme der Teilhabe: vom Zugang zu Strom – der sich heute nahezu überall in privater Hand befindet – bis hin zur digitalen Kommunikation und den Möglichkeiten der Manipulation, die darin liegen. Gleichzeitig erinnerte das schwarze Netz auch konkret an jene Beleuchtungskabel und Seile, wie sie hinter der Theaterbühne und an der Bühnendecke Verwendung finden, um eine Illusion auf der Bühne zu gewährleisten. CAMP beschäftigt die kontingente, sich stetig verändernde Machtstruktur aktueller Gesellschaften. Moderne Architekturelemente und ihre Behauptungen, etwa der Transparenz und Durchlässigkeit versprechende Einsatz von Glasfassaden, werden im Hinblick auf ihre tatsächlichen und im Gebrauch zu Tage tretenden weiteren Qualitäten befragt: Wer befand sich historisch und befindet sich heute vor der Scheibe, wer dahinter? Woran sind die Ideale von basisdemokratischer, horizontaler Gleichberechtigung und Teilnahme gescheitert, und welche Wege und vertikalen Abkürzungen gibt es, sich trotz allem Zugang zum System zu verschaffen?

 

Niko Anklam

Bilder

Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum