Pierre Huyghe

Installationsansicht 2017, Foto: Ola Rindal

Installationsansicht 2017, Foto: Ola Rindal

After ALife Ahead [Nach einem K-Leben vor dem, was kommt]

2017

 

Installation

Betonboden der Eishalle, Logikspiel, Ammoniak, Sand, Ton, phreatisches Wasser, Bakterien, Algen, Bienen, Aquarium, schwarzes schaltbares Glas, Weberkegel (Conus Textile), GloFish, Inkubator, menschliche Krebszellen, genetischer Algorithmus, Augmented Reality, automatisierte Deckenstruktur, Regen

 

Standort

Ehemalige Eissporthalle an der Steinfurterstraße 113 – 115

 

Temporäre Installation für die Dauer der Ausstellung

Pierre Huyghe

* 1962 in Paris, Frankreich

lebt in New York, USA

Pierre Huyghes Arbeiten treten oft als komplexe Systeme auf, die sich durch ein breites Spektrum an Lebensformen, unbelebten Dingen und Technologien auszeichnen. Seine arrangierten Organismen verbinden nicht nur biologische, technologische und fiktionale Elemente, sondern es interagieren darin Mensch, nicht-menschliche Lebewesen und Tier genauso wie mikroskopische einzellige Organismen oder Viren. Huyghes konstruierte Situationen erinnern an Biosphären, innerhalb derer andere Gesetze gelten als in der Natur: Strukturelle Parameter für Veränderungen, Phänomene wie Schwarmverhalten und Clusterbildung werden genutzt, aber erweisen sich am Ende doch – wie jedes andere künstlerische Material auch – als letzte Grenzen des Gestaltungswillens.

Für die Skulptur Projekte 2017 entwickelte Huyghe im früheren Eispalast, einer 2016 stillgelegten Schlittschuhbahn, nach einem umfassenden architektonischen Rück- und Umbau und mittels bio- und medientechnischer Eingriffe ein zeitbasiertes biologisch-technisches System. Alle Abläufe innerhalb der sehr großen Halle verhielten sich in wechselseitiger Abhängigkeit zueinander: Eine HeLa-Zelllinie, die sich in einem Inkubator im Prozess permanenter Teilung befanden, bestimmte einige davon. Das Wachstum der Zellen löste unter anderem die Entstehung von Augmented-Reality-Formen aus. Variationen in einem Weberkegel-Muster veränderten die räumliche Struktur: zum Beispiel das Öffnen und Schließen eines pyramidenförmigen Fensters in der Hallendecke.

Mittels Grabungen verwandelte Huyghe den Boden in eine tiefergelegte Hügellandschaft. Beton und Erde, Ton-, Styropor-, Geröll- und eiszeitlich geformte Sandschichten waren stellenweise bis zu drei Meter unter die Erdoberfläche abgegraben, durchsetzt von kleinen Inseln, die stehen gelassen wurden. Unter anderem bewohnten Ameisen, Algen, Bakterien, Bienenstöcke und Pfaue das Gelände. Biologisches Leben, reale und symbolische Architektur und Landschaft, sichtbare und unsichtbare Prozesse, statische und dynamische Zustände verschmolzen miteinander zu einer unsicheren Symbiose.

 

Nico Anklam

Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum