Emeka Ogboh

Installationsansicht 2017, Foto: Henning Rogge

Installationsansicht 2017, Foto: Henning Rogge

Passage through Moondog [Passage zu Moondog]

Soundinstallation (Soundscapes, Couplets von Moondog, Trimbaspiel, 16 Lautsprecher)

 

Standort

Hamburger Tunnel

Münster Hauptbahnhof

Temporäre Installation für die Dauer der Ausstellung

 

Credits

Text: Moondog • Eingelesen von: Judith Frey, Wolfgang Gnida, Tineke Kaiser, Konstanze Klecha, Stefan Lakatos, Britta Peters, Tatjana Niederberghaus, Anna-Lena Treese, Sophia Trollmann, Jessica Tropp, Marianne Wagner, Doris Wermelt • Trimbaspiel: Stefan Lakatos • Soundscapes: Titus Maderlechner, Emeka Ogboh • Beratend: Wolfgang Gnida • Sounddesign: Titus Maderlechner

 

Mit freundlicher Genehmigung des Nachlasses von Louis Hardin (Moondog), vertreten durch den Testamentsvollstrecker Rechtsanwalt Alexander Duve, Berlin.

 

Quiet Storm [Ruhiger Sturm]

Honigbier mit Lindenblüten, Braumenge: 60 HL, 7,5 % Alkohol

In Zusammenarbeit mit Philipp Overberg (Guthaus-Brauerei) in der Anders Brauerei (Belgien) gebraut

Sounddesign: Thomas Bücker

Emeka Ogboh

* 1977 in Enugu, Nigeria, lebt in Berlin, Deutschland und Lagos, Nigeria

Emeka Ogboh arbeitet sowohl mit den Geräuschen einer Stadt, Stimmengewirr, Liedern, Rufen, Schreien, Rauschen als auch mit eigenen Kompositionen aus bestehenden Liedern und öffentlichen Reden. Aus komplexem Soundmaterial filtert er spezifische tonale und inhaltliche Ebenen, die er in experimentelle Musikstücke und klangräumliche Installationen überführt, die in Ausstellungsräumen, aber auch, wie etwa in seiner Komposition für das neue Gebäude der African Union in Addis Abeba, Äthiopien, im öffentlichen Raum zu hören sind. Es entstehen auditive Topografien von Urbanität und Politik, deren Schichtungen der Künstler als Ausschnitt aus der gesellschaftlichen und kulturellen Vielheit freilegt. Ogbohs Werk fokussiert auf die Wahrnehmung mit allen Sinnen, auch dem Riechen und Schmecken. Er hebt die Zubereitung von Speisen und Getränken als identitätsstiftende Praxis hervor, die über Generationen und in Migrationslinien weitergetragen wird.

Für Münster entwickelte Ogboh, ausgehend von Kompositionen und Gedichten des legendären amerikanischen Musikers Moondog, ein Soundkonzept für den Hamburger Tunnel, eine Unterführung neben dem Hauptbahnhof. Er verwendete dafür u. a. Aufnahmen, die der Musiker und Vertraute Moondogs, Stefan Lakatos, mit der Trimba eingespielt hat. Dieses Instrument ist eine Erfindung des erblindeten Moondogs und charakteristisch für seine Stücke seit den späten 1940er Jahren. Moondog, alias Louis Thomas Hardin (1916–1999), war Straßenmusiker und, laut dem Nachruf seines ehemaligen New Yorker Wohngenossen Philip Glass, einer der einflussreichsten Nonkonformisten seiner Zeit, Dialogpartner von Leonard Bernstein und Impulsgeber des Komponisten Artur Rodziński. Von seiner intensiven Beschäftigung mit Rhythmus, Melodie und Sprache zeugen neben den Musikstücken auch mehrere hundert zweizeilige Gedichte. Nachdem es ihn aus New York, wo er als Viking of 5th Avenue Berühmtheit erlangte, ins westfälische Oer-Erkenschwick verschlagen hatte, lebte Moondog kurz vor seinem Tod in Münster, wo er heute auf dem Zentralfriedhof begraben liegt. Mit dem Konzept der Soundscapes teilen Moondog und Ogboh das Interesse am öffentlichen Raum als Quelle und Bühne für ihre Kompositionen: die Straße, die John Cage den wahren Konzertsaal nannte.

Daneben brachte Ogboh noch ein weiteres Projekt ein: das Bier Quiet Storm, das er unter Zusatz von Lindenblütenhonig von der an der Promenade gelegenen Westerholtschen Wiese in Belgien brauen ließ. Während des ca. zweiwöchigen Fermentierungsprozesses des Bieres wurden die großen Kessel der Brauerei mit speziellen Lautsprechern ausgestattet, um das Bier mit Aufnahmen der intensiven Klangkulisse von Lagos zu bespielen und den Brauprozess zu beeinflussen: die bevölkerungsreichste Stadt Afrikas, in der sich ca. 500 nigerianische Dialekte, rituelle Musik, Techno und Verkehrslärm überlagern, war mit ihren good vibes im Quiet Storm anwesend.

 

Nicola Torke

Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum