Sany (Samuel Nyholm)

Installationsansicht 2017, Foto: Henning Rogge

Installationsansicht 2017, Foto: Henning Rogge

Marginal Frieze

2017

 

Fallande ting-Serie und Filmtrailer sowie Zeichnungen für Banner, Tragebeutel, Flyer, Aufkleber und Merchandise

 

Fallande ting

Serie von Pyrographien im Stadtraum Münster / Marl

 

In Münster:

Untitled (Estrid)

333 × 340 cm

Schlossplatz 34

 

Untitled (Grazyna)

170 × 370 cm

Hüfferstraße 20

 

Untitled (Apisina)

117 × 247 cm

Bispinghof 20

 

In Marl:

Untitled (Yggdrasil)

370 × 340 cm

Kampstraße 8–10

 

Untitled (Norns)

280 × 235 cm

Kampstraße 8–10

 

Temporäre Installation für die Dauer der Ausstellung

Sany (Samuel Nyholm)

* 1973 in Lund, Schweden, lebt in Stockholm, Schweden und Bremen, Deutschland

Samuel Nyholm, der seine figurativen Zeichnungen unter dem Akronym Sany publiziert, arbeitet als Grafiker und Künstler. Häufig nehmen seine in wenigen Linien dahingeworfenen Zeichnungen in Bildsprache und Motivwahl Anleihen bei Danish Pilsner Cartoons der 1960er und 1970er Jahre. Unter Bezug auf ein populärkulturelles, von Vorurteilen und stereotypen Simplifizierungen durchsetztes Genre an Slapstick-Humor variieren sie motivische Situationen, die von einer Handvoll fiktiver, immer wieder auftauchender Charaktere bevölkert werden. Ein Fokus der Cartoons, in denen gelegentlich auch der ferne Strich von Saul Steinberg nachhallt, liegt auf dem arbiträren Charakter von Sprach- und Zeichensystemen. Mit Humor entwerfen sie häufig im Kunstbetrieb angesiedelte Szenerien, die Missverständnisse und Fehlinterpretationen in den Blick nehmen und dabei auf jenen Raum, der sich zwischen einem Zeichen und seiner Bedeutung auftut, verweisen.

Auch in Sanys Arbeit Marginal Frieze für die Skulptur Projekte verschränkten sich zwei Bereiche. Zum einen war er mit einer mehrteiligen Wandarbeit im Stadtraum vertreten, zum anderen in der begleitenden Kommunikation der Ausstellung präsent: Seine Motive zirkulierten als Filmtrailer, auf Bannern, Tragebeuteln, Flyern und Aufklebern als kleinteilige, unterschwellige Medien mit großer Reichweite im öffentlichen Raum. In Münster und Marl installierte Sany mit Fallande ting an mehreren Häuserwänden großformatige Pyrographien, die einzelne, fallende Figuren zeigten. Er griff dabei auf bekanntes Personal seines Bildkosmos zurück: Mit Estrid, der Valkyrie, und Yggdrasil, dem Weltenbaum, interpretiert er zwei der nordischen Mythologie entstammende Figuren neu, denen der Affe Apis und der griechische Künstler Stavros zur Seite gestellt werden.

Sanys Beitrag nahm in mehrfacher Hinsicht auf das Marginale, das Randständige Bezug. Das betraf die Platzierung der Pyrographien, die an große Werbetafeln und -malereien erinnerte, wie sie in den Nachkriegsjahrzehnten die Brandmauern städtebaulicher Zwischenräume bedeckten. Mit der Volkskunst der Brandmalerei bedient er sich einer alten, heute mit Hobbykeller und Spießigkeit assoziierten Technik, der die Aufnahme in den Kanon tradierter künstlerischer Medien verweigert blieb. Indem er sie auf Großformat vergrößerte, spielte er auch auf das Gefälle an Wertzuschreibungen im Kunstsystem an, die ebenso auf Konvention beruhen wie die Beziehung zwischen Signifikant und Signifikat. Ihrem mythologischen, menschheits- und kulturgeschichtlichen Kontext entglitten, fielen Sanys Figuren vom Himmel. Die Zeichnungen brachten ein dynamisches, schnappschussartiges Moment in den primär von Werbung durchsetzten Stadtraum ein, durch das man Bildebene und Umraum, ähnlich wie bei der Betrachtung einer Skulptur, in Beziehung zueinander setzte. So erschienen die Figuren, als seien sie kurz vor dem Aufschlag auf den Bordstein begriffen – und wirkten ebenso gefährdet wie die Passant_innen, die unter ihnen ahnungslos die Straße kreuzten.

 

Andreas Prinzing

Bilder

Standort

Installationsansicht 2017, Foto: Henning Rogge

Sany (Samuel Nyholm)
Marginal Frieze

Sany, Marginal Frieze, 2017

Installationsansicht 2017, Foto: Henning Rogge

Sany (Samuel Nyholm)
Marginal Frieze

Sany, Marginal Frieze, 2017

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