Allen Ruppersberg

Installationsansicht 1997 © the artist, Courtesy the artist and Greene Naftali, New York. Foto: Roman Mensing / artdoc.de

Installationsansicht 1997 © the artist, Courtesy the artist and Greene Naftali, New York. Foto: Roman Mensing / artdoc.de

Die beste aller möglichen Welten

1997

Installation, Performance

Kulisse eines Reisebüros mit entsprechenden Requisiten, Schauspieler in Kostümen des 18. Jahrhunderts, Schilder mit der Aufschrift The Best of All Possible Worlds, Stadtführer

 

Standort

Altbau des Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, Münster

11 verschiedene Orte in der Innenstadt Münsters:

Rothenburg 19

Ecke Klemensstraße/Stubengasse (Kaufhof-Fassade in Richtung Stubengasse)

Syndikatplatz (ehemalige „Städterpenne“: Städtisches Gymnasium und Realgymnasium)

Loerstraße (ehemaliges Clemenshospital, Trakt der Kinderklinik)

Synagoge in der Klosterstraße

Sonnenstraße (vor dem Oberzollamt, ehemalige Freiherr-vom-Stein-Schule, evangelisches Lyzeum und Oberlyzeum)

Mauritzstraße (ehemalige Mauritzstraße 1, Fachwerkhaus)

Salzstraße (vor dem Modehaus Sinn-Leffers)

Tibusstraße 1

Überwasserkirche (Kirchplatz)

Temporäre Installation und Aufführung für die Dauer der Skulptur. Projekte in Münster 1997

 

Allen Ruppersberg

* 1944 in Cleveland, Ohio, USA

lebt und arbeitet in New York, USA, und Santa Monica, Kalifornien, USA

 

Allen Ruppersberg ließ sich für seinen Beitrag zu den Skulptur Projekten von Voltaires Novelle Candide inspirieren.1 Analog zu Voltaires Protagonist, der seine westfälische Heimat verlässt, um die beste aller möglichen Welten ausfindig zu machen, schickte Ruppersberg die Besucher_innen auf eine Reise. Der Rundgang begann in einem fiktiven Reisebüro im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und führte an elf verschiedene Orte in der Innenstadt Münsters. Zunächst erläuterte ein als Candide verkleideter Schauspieler die Geschichte der Stadt. Anschließend erhielten die Zuhörenden ein Exemplar von Candide und einen Reiseführer, mit dem sie die Stadt eigenständig erkunden konnten. Runde Schilder im Stil von Ladenschildern, die den Titel von Ruppersbergs Arbeit trugen, markierten die Standpunkte des Rundganges. Der Künstler verzichtete auf eine zentrale Autorenstimme; stattdessen enthielt der Reiseführer Texte, Fotos und Illustrationen mit Erlebnissen älterer Bürger_innen. In deren Erinnerungen lebten persönliche Geschichten auf, historische Gebäude wurden zu Schauplätzen und der öffentliche Raum gewann eine emotionale und private Dimension.

Die Installationen und Szenerien des Konzeptkünstlers Ruppersberg haben häufig literarische Vorlagen, entfernen sich aber von traditionellen Erzählmodellen, wie in der Auflösung der Grenze zwischen Realität und Fiktion deutlich wird. In Münster ist die beste aller möglichen Welten mehrfach vorhanden: in der erzählten Erinnerung, der Vorstellung der Besuchenden und den elf Standorten.

 

Sarah Kristin Happersberger

 

1 Vgl. Allen Ruppersberg, „Die beste aller möglichen Welten – eine Neufassung von Voltaires Candide als neue Tour durch Münster.“ In: Klaus Bußmann, Kasper König und Florian Matzner (Hg.), Skulptur. Projekte in Münster 1997, Ausst.-Kat.: Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Ostfildern-Ruit 1997, 346–353. 

Bilder

Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum