Hans-Peter Feldmann

Installationsansicht 2017. Foto: Hubertus Huvermann

Installationsansicht 2017. Foto: Hubertus Huvermann

WC-Anlage am Domplatz

2007

Installation/Sanitäranlage

 

Standort

Domplatz, permanente Installation

 

Eigentümer

Stadt Münster

Hans-Peter Feldmann

* 1941 in Düsseldorf, Deutschland

lebt und arbeitet in Düsseldorf

Wer am Domplatz ein stilles Örtchen sucht, steuert vermutlich zu der zylindrischen grauen Kabine gegenüber dem Altbau des LWL-Museums für Kunst und Kultur. Sie ist ein vollautomatisches Stadtmöbel, Ausdruck der Privatisierung von Leistungen der öffentlichen Hand im öffentlichen Raum, die einen Anteil an der zunehmenden Gleichförmigkeit deutscher Innenstädte hat. Am Domplatz befindet sich jedoch noch eine öffentliche Bedürfnisanstalt aus der Nachkriegszeit. Zwei separate Treppen führen zu der Anlage unter dem Platz; links hinab geht es zu den Männern, rechts zu den Frauen. Aufgrund der schwindenden Mittel der Kommunen sind solche Orte, wenn nicht bereits ganz dem Sparzwang zum Opfer gefallen, meist durch Vernachlässigung gezeichnet: Blinde Spiegel, zersprungene Fliesen, das Fehlen von Seife und Papier sind für ihre Erscheinung bestimmend. Öffentlich bedeutet hier häufig rudimentär.

Doch die Toiletten unter dem Domplatz überraschen: Der helle Fliesenspiegel, Trennelemente aus maigrünen Mosaiksteinen, großzügige Sanitärkeramik und dekorative Elemente wie großformatige Fotoprints von Lilienblüten und ein bunter Plastikkronleuchter sorgen für ein reinliches und gefälliges Raumkonzept. Das Zuviel an Dekor lässt erkennen, dass die Ästhetik dieser Räumlichkeiten einem künstlerischen Eingriff zu verdanken ist – ein Beitrag des Künstlers Hans-Peter Feldmann für die skulptur projekte münster 07. Carl Andrés Diktum, dass eine Gesellschaft, die keine öffentlichen Toiletten zur Verfügung stelle, Kunst im öffentlichen Raum nicht würdig sei, ist naheliegend als Inspiration.

Feldmanns Arbeit war dennoch dem Vorwurf ausgesetzt, „[…] eher auf der Ebene des smarten Designs als des kritischen Kommentars [zu] verbleib[en]“1. Tatsächlich schritt Feldmann direkt von der Kritik zur Subversion: „Hans-Peter Feldmann instrumentalisiert die Möglichkeit des Kunstmachens zur Verbesserung der räumlichen und ästhetischen Bedingungen einer öffentlichen Toilette […].“2

Stefanie Bringezu

 

1 Alexander Alberro, Am Ende des Pfades. Über Skulptur Projekte Münster 07. In: Texte zur Kunst, 67, 2007, 258–266, hier 263.

2 Brigitte Franzen, Kasper König und Carina Plath, Am Beispiel von Münster. In: Brigitte Franzen, Kasper König und Carina Plath (Hg.), skulptur projekte münster 07, Ausst.-Kat.: LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Köln 2007, 11–16, hier 15.

Bilder

Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum