Suchan Kinoshita

Installationsansicht 2007 © Courtesy the artist und Ellen de Bruijne Projects. Foto: Roman Mensing / artdoc.de

Installationsansicht 2007 © Courtesy the artist und Ellen de Bruijne Projects. Foto: Roman Mensing / artdoc.de

Chinese Whispers [Stille Post]

2007

Installation

Fünf Lautsprecher, drei Verstärker, Außenmikrofon, Kopfhörer, Jalousien, Computerprogramm „Magix Music Studio“

 

Standort

Schauraum der Handwerkskammer, Bismarckallee 1, Eingang über dem Parkplatz, Installation für die Dauer der Ausstellung der skulptur projekte münster 07

 

Suchan Kinoshita

* 1960 in Tokio, Japan

lebt und arbeitet in Brüssel, Belgien, und Münster, Deutschland

 

Das Kinderspiel „Stille Post“, im englischen Sprachraum unter dem Namen „Chinese Whispers“, im Französischen als „Téléphone arabe“ und im Arabischen wiederum als „Telephon Maqtoa“ bekannt, fungiert als titelgebende Referenz für die Arbeit Suchan Kinoshitas. Eine geheime Botschaft wird von einem Spieler zum nächsten weitergeflüstert und erfährt dabei mancherlei unmerkliche Abwandlungen, die sich innerhalb der Überlieferungskette potenzieren. Die Fragilität von Kommunikation wird ebenso unmittelbar wie subtil erfahrbar. Intersubjektives Verstehen erscheint als Glücksfall.

Kinoshita übersetzte das Kinderspiel in eine selbstbezügliche Versuchsanordnung, welche die Spielsituation durch variierende, technische Aufnahmesituationen erweiterte. Der technische Apparat entsprach dabei jedoch nicht einem neutralen Beobachter; er brachte wieder neues ,Rauschen‘ und neue ,Unschärfe‘ mit. Die Aufnahmen ermöglichten keine objektive Überwachung des Kommunikationsprozesses. Sie reihten sich vielmehr als neu zu interpretierende Bestandteile dieses Prozesses in die bestehende Versuchsanordnung ein und stellten selbst Übersetzungen oder Interpretationen dar. Damit konnten weitere Missverständnisse nicht ausgeschlossen werden.

Als Botschaften verwendete Kinoshita Fragmente aus Illustrierten sowie Schriften diverser Philosophen und Sprachtheoretiker, angereichert durch willkürliche Wortschöpfungen, Erfindungen oder eigenmächtige Störungen der Sprecher. Besucherinnen und Besuchern wurde das Aufgenommene schließlich im Ambiente des Schauraumes der Handwerkskammer zu Gehör gebracht. Dort wurden sie als kontemplativ Lauschende sichtbar exponiert, als handelte es sich um eine Interpretation von Marshall McLuhans Diktum „The medium is the massage“.

 

Thorsten Schneider

 

Bilder

Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum