Bruce Nauman

Installationsansicht 2016. Foto: Hubertus Huvermann

Installationsansicht 2016. Foto: Hubertus Huvermann

Square Depression [Quadratische Senkung]

1977/2007

Skulptur aus gegossenem Beton, weiß verputzt

Länge/Breite 25 x 25 m, Tiefe 2,3 m

 

Standort

Naturwissenschaftliches Zentrum der Universität Münster, Wilhelm-Klemm-Straße, permanente Aufstellung

 

Eigentümer

LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster, erworben 2009 mit Unterstützung der Sparkasse Münsterland Ost und des Landes NRW

Bruce Nauman

* 1941 in Fort Wayne, USA
lebt und arbeitet in Galisteo, USA

Im Winkel zweier Hochhäuser liegt Bruce Naumans Skulptur Square Depression, eine begehbare, flach in den Boden vertiefte, umgekehrte Pyramide. Auf einer quadratischen Grundfläche von 25 x 25 Metern senken sich vier weiße Betonflächen trichterförmig hin zu einem Scheitelpunkt. Betritt man die hellen Oberflächen, ist man regelrecht exponiert: „Das Betreten kommt einem Verschwinden gleich, das eigentlich ein Herausstellen ist, denn man bewegt sich auf einer negativen Bühne.“1 Durch den Standpunkt des Betrachters tritt dieser in ein unmittelbares Verhältnis zur Skulptur, zur Umgebung und zum öffentlichen Raum. Depression bedeutet sowohl ‚Senkung‘ als auch ‚Depression‘ im Sinne der psychologischen Definition. Ebenso kann Square mit ‚Quadrat‘ übersetzt werden oder umgangssprachlich mit ‚spießig‘ oder ‚altmodisch‘.

Material und Form korrespondieren mit der kubischen Rasterarchitektur der angrenzenden Gebäude aus den 1960er Jahren. Die Institute für Kernphysik und theoretische Physik der Universität Münster erzeugen im Zusammenspiel mit Square Depression den Eindruck einer Anordnung riesiger geometrischer Betonkörper. Die Skulptur wurde bereits 1977 geplant. Nach 30 Jahren konnte die Arbeit schließlich 2007 dem ursprünglichen Entwurf gemäß am gewünschten Standort realisiert werden, da die baulichen Gegebenheiten noch genau denen der 1970er Jahre entsprachen. Angepasst wurde lediglich die Lösung für den Wasserabfluss.

Der menschliche Körper, seine Position und Bewegung durch den negativen Raum, ist essenzieller Maßstab für die Wahrnehmung der Skulptur. Körper und Raum sind mathematische Begriffe und gleichermaßen konstitutive Parameter der Plastik, ebenso die Zeit, in der die Wahrnehmung stattfindet. Diese Begriffe sind gebunden an Assoziationen und gedankliche Bilder. Sehgewohnheiten setzen der Vorstellungskraft Grenzen; die Relativität von Raum und Zeit etwa bleibt eine abstrakte Idee. Die Einschätzung von Entfernungen und Höhen ist bei der Betrachtung der Arbeit erschwert, da Dimensionen und Proportionen gleich einem Vexierbild optisch verzerrt erscheinen. So thematisiert der Künstler das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft.

Anna-Lena Treese

 

 

1 Brigitte Franzen, Kasper König und Carina Plath (Hg.), skulptur projekte münster 07, Ausst.-Kat.: LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Köln 2007, 172–178, hier 173.

Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum