Cosima von Bonin / Tom Burr

Installationsansicht 2017, Foto: Henning Rogge

Installationsansicht 2017, Foto: Henning Rogge

Benz Bonin Burr

2017

Installation

 

Material

Tieflader, Holzkiste, Sicherungsseile

Standort

Vorplatz des LWL-Museum für Kunst und Kultur, Rothenburg 30

Temporäre Aufstellung für die Dauer der Ausstellung

Cosima von Bonin / Tom Burr

*in Mombasa, Südafrika

lebt in Köln, Deutschland

 

*in New Haven, USA

lebt in New York, USA

Strategien der Zusammenarbeit, Aneignung und Kompilation prägen Cosima von Bonins  multimediales Œuvre. Sie navigiert mit hintergründigem Humor durch ein Meer von Referenzen, zieht scheinbar mühelos Einflüsse an Land und bindet befreundete Künstler_innen und historische Positionen in ihre Ausstellungen ein. Ihr von Konzeptkunst und Pop gespeistes Werk rekurriert immer wieder auf zentrale Figuren wie Martin Kippenberger oder Mike Kelley und stellt zahllose Bezüge zu Film, Literatur, Musik, Mode, Design und Lifestyle her. So präsentiert sich ihre Arbeit weniger als originäre, individuelle künstlerische Geste denn als Resultat von Traditionslinien, Netzwerken und Wiederholungen. Häufig in Form tierischer Motivchiffren reflektieren die raumgreifend gruppierten Werke Konventionen und Spielregeln des Kunstbetriebs und thematisieren von Bonins künstlerische Identität in einem Geflecht von Beziehungen, Abhängigkeiten und Rollenmodellen.

Weiche, textile Materialien sind die primäre Grundlage der patchworkartigen Bilder und skulpturalen Objekte, die ein der Warenwelt entstammendes Motivrepertoire transformieren. Anthropomorphisierte Tiergestalten bevölkern ihre bühnenhaften Ausstellungsszenarien, die an den Requisitenfundus eines Filmstudios oder an Fabelwelten denken lassen. Ihre überdimensionalen, plüschigen Protagonist_innen sind teils häuslich-domestizierter Natur, teils gehören sie dem maritimen Lebensraum an, dessen Metaphorik große Bedeutung zukommt. Meist pfeifen die dauermüden Wesen auf gesellschaftliche Produktivitätsimperative. In ihrer trägen Verweigerungshaltung deutet sich neben dem Recht auf Faulheit und Zigarettengenuss auch ein existenzieller Erschöpfungszustand an, der von Bonins Kosmos eine dunkle Unterströmung verleiht. Dieses Unwohlsein artikuliert sich auch in resignativen Ausstellungstiteln wie Kapitulation oder The Fatigue Empire. Autorität und Kontrolle sind latent präsente Themen in dieser anspielungsreichen Parallelwelt.

Auch für die Skulptur Projekte 2017 knüpfte von Bonin an ihre Vorstellung von kollektiver Autorschaft an und arbeitete mit Tom Burr zusammen; beide verbindet eine langjährige Freundschaft. Das gemeinsame Projekt wurde in Kooperation mit dem Westfälischen Kunstverein realisiert, der zeitgleich die Einzelausstellung Surplus of Myself von Burr zeigte. Burr setzt sich seit den späten 1980er Jahren mit Fragen des öffentlichen Raumes auseinander. Dabei nutzt er die Formensprache der Minimal Art, lädt diese jedoch (entgegen ihrer ureigenen Absicht) mit zahlreichen Konnotationen und Verweisen auf, die oftmals mit der Emanzipation von Subkulturen oder der Biografie des Künstlers verbunden sind. Für ihre Kooperation Benz Bonin Burr platzierten die Künstler auf dem gemeinsamen Vorplatz von LWL-Museum und Kunstverein einen Tieflader unweit der dort aufgestellten Skulptur von Henry Moore. Auf dessen Ladefläche wurde eine großformatige Black Box platziert – ein wiederkehrendes Moment in Burrs Werk – deren Inhalt sich den Blicken entzieht. So entstand eine ambivalente Situation, die zwischen Präsenz und Absenz sowie Ein- und Ausschluss oszillierte und en passant die Infrastruktur des Ausstellungsbetriebs anhand eines potenziellen Verladevorgangs andeutete.

 

Andreas Prinzing

Standort

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum