Michael Asher

Michael Asher, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Deutschland, „skulptur projekte münster 07“, 17. Juni – 30. September, 2007, Wohnwagen an verschiedenen Standorten. Parkposition der 1. Woche, 16. – 24. Juni, Siegelkammer and Pferdegasse. Foto: LWL / Roman Mensing, www.artdoc.de. © Michael Asher Foundation

Michael Asher, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Deutschland, „skulptur projekte münster 07“, 17. Juni – 30. September, 2007, Wohnwagen an verschiedenen Standorten. Parkposition der 1. Woche, 16. – 24. Juni, Siegelkammer and Pferdegasse. Foto: LWL / Roman Mensing, www.artdoc.de. © Michael Asher Foundation

LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Deutschland, skulptur projekte münster 07, 17. Juni – 30. September, 2007, Wohnwagen an wechselnden Standorten

 

Standort

1. Woche: Siegelkammer und Pferdegasse

2. Woche: Parkplatz hinter dem Gebäude der Bezirksregierung, Geisbergweg 1–3

3. Woche: keine Aufstellung mehr möglich

4. Woche: Alter Steinweg gegenüber dem Kiffe-Pavillon

5. Woche: Hörster Friedhof / Piusallee

6. Woche: An der Kleimannbrücke 17

7. Woche: keine Aufstellung möglich

8. Woche: Königsberger Straße 133–135

9. Woche: keine Aufstellung möglich

10. Woche: Paula-Wilken-Stiege 3 und 5

11. Woche: keine Aufstellung möglich

12. Woche: Kirchplatz in Nienberge, vor Haus Nr. 6

13. Woche: Ecke Möllmannsweg / Hollandtstraße

14. Woche: keine Aufstellung möglich

15. Woche: Wald am Jesuiterbrook, gegenüber Haus Hünenburg Nr. 99

16. Woche: aufgrund der verkürzten Ausstellungsdauer nicht genutzt

17. Woche: aufgrund der verkürzten Ausstellungsdauer nicht genutzt

18. Woche: aufgrund der verkürzten Ausstellungsdauer nicht genutzt

19. Woche: aufgrund der verkürzten Ausstellungsdauer nicht genutzt

Michael Asher

* 1943 in Los Angeles, Kalifornien, USA

† 2012 in Los Angeles

Es ist alles Teil der Arbeit: Michael Asher in Münster

Im Jahr 1977 nahm Michael Asher an der vom Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte organisierten Skulptur Ausstellung in Münster teil. Seine Arbeit für Münster bestand aus einem angemieteten Wohnwagen Hymer-Eriba „Familia“. Im Verlauf der 19 Wochen dauernden Ausstellung wurde der Wohnwagen jeden Montag, wenn das Museum für die Öffentlichkeit geschlossen blieb, an eine andere Stelle der Stadt gebracht. Somit wurde er 19-mal an 19 unterschiedliche Positionen in und um Münster umgezogen, was bewusst mit der Dauer der Ausstellung übereinstimmte.1

Asher wählte die Standorte strategisch, sodass sich der Wohnwagen sukzessive immer weiter vom beherrschenden Zentrum der Ausstellung – dem Museum – wegbewegte. Er versetzte das Objekt manchmal bis in ländliche Gegenden, in einem Radius von letztlich etwa fünf Kilometern zum Landesmuseum. An jedem der Standorte wurde der Wohnwagen abgestellt und blieb verschlossen. Seine Vorhänge waren zugezogen, ohne jeglichen Hinweis, dass es sich um ein Kunstwerk handelte. Als Aufstellungsorte wählte Asher ganz alltägliche Stellen. Diese reichten von parallel angeordneten Parkplätzen vor Wohnhäusern, Büros und Geschäften bis hin zu Gewerbegebieten, Parks und dem Kanalufer. Als sich die Ausstellung nach einigen Wochen ihrem Ende näherte, wurde auch das Objekt zunehmend näher zum Museum gebracht. Am Museumsempfang war ein regelmäßig aktualisiertes Informationsblatt erhältlich, das als wesentlicher Teil der Arbeit verstanden wurde und über den Verbleib des Wohnwagens Auskunft gab. Mit diesem Informationsblatt machten sich die Besucher_innen vom Museum aus auf den Weg, um den Wohnwagen in den Straßen von Münster zu finden.

Ashers Arbeit für Münster bestand aus mehreren zentralen Komponenten: dem weißen Wohnwagen, dem gedruckten Handzettel, der jede Woche hergestellt wurde und einen beschreibenden Text enthielt, Karten, 19 Standorten, den dokumentarischen Fotografien, welche die Platzierung des Wohnwagens innerhalb des umliegenden Stadtgebietes zeigten und, natürlich, der Suche der Besucher_innen oder dem glücklichen Umstand, zufällig daraufzustoßen.2

Wie viele Leser_innen wissen, war die erste Ausgabe der Skulptur Projekte ursprünglich nicht als Auftakt zu einer mehrjährigen Ausstellungsreihe geplant. Während sich die Ausstellung nun ihrer fünften Ausgabe nähert, blieb Asher der einzige Künstler, der zu jeder Ausgabe eingeladen wurde. Bis zu seinem vorzeitigen Tod im Jahr 2012 fand seine Beteiligung jedes Mal in gleicher Form statt: ein angemieteter Wohnwagen, gleiche Marke, gleiches Modell, an dieselben Standorte versetzt (wenn möglich), und zwar in derselben Reihenfolge wie bei der ersten Ausstellung von 1977. Wegen der städtischen Veränderungen konnte der Wohnwagen an manchen der ursprünglichen Standorte von 1977 nicht geparkt werden, wie dokumentarische Fotografien über die Jahre hinweg wunderbar zeigen. In diesen Wochen war er in einer Garage eingestellt.

Über mehr als 30 Jahre, dem Zeitraum der vier Ausgaben der Skulptur Projekte, nahm sich Asher in seiner Arbeit den unterschiedlichen Ebenen Bedeutungen von wirtschaftlichen, sozialen, politischen und historischen Kontexten an, innerhalb derer diese Arbeit hergestellt und erfahren wurde. In anderen Worten: Er verstand es, die jeweils existierenden Realitäten dieser Kontexte, so sehr sie sich mit der Zeit auch verändert hatten, selbstverständlich in seine Arbeit mit aufzunehmen, während die Arbeit als Objekt und Standort konstant blieb. Obwohl das gleiche Wohnwagenmodell gezeigt wurde, war jede Wiederholung des Projektes eine neue Arbeit, da sie vor dem Hintergrund neuer und sich verändernder sozialer und urbaner Infrastrukturen und Bedingungen erfahren wurde.

Andere eher praktische, jedoch für die Arbeit nicht minder wesentliche Faktoren variierten ebenfalls: Sie betrafen die Daten der Ausstellung, deren Dauer und das Wissen und die Fähigkeiten der kuratorischen Teams, Sachbearbeiter_innen und technischen Mitarbeiter_innen, die die Skulptur Projekte organisierten.3 Indem er darauf bestand, dass jedes Mal derselbe die Arbeit beschreibende Text verwendet und dieselbe Marke, ja dasselbe Modell des Wohnwagens von 1977 angemietet wurde, untergrub Asher die Anforderung, mit einer neuen Idee aufzuwarten, die oft an Künstler_innen gestellt wird. Er behielt das Konzept des Originals bei und verzichtete bewusst darauf, eine weitere Arbeit zu entwerfen. Dennoch wurde die Arbeit grundsätzlich und kontinuierlich neu konzipiert. Wie Asher auch bei früheren Werken die ausstellende Institution in die Umsetzung seiner Arbeit einbezog, als er etwa 1970 das Pomona College Mauern errichten ließ, wie jene am Pomona College in Claremont bei Los Angeles 1970, so nahm er auch die Skulptur Projekte unmittelbar dafür in die Verantwortung, dass die Arbeit in Münster realisiert wurde, inklusive ihrer Erhaltung und Dokumentation. Er verlangte von den Mitarbeiter_innen, den Wohnwagen regelmäßig an einen PKW oder einen Lastwagen anzuhängen und jede Woche an die zuvor bestimmten Standorte zu bringen. Er ließ sie buchstäblich als Teil der Arbeit arbeiten. In der Tat fand sich im Jahr 1977 der Mitbegründer und Co-Kurator Klaus Bußmann dabei wieder, wie er den Wohnwagen von Ort zu Ort zog.4 Diese Verlagerung der Arbeit durch den Künstler auf die Institution ist dem Caravan-Projekt inhärent und setzt diese in den Kontext wichtiger Fragestellungen wie die der Beschäftigung des Künstlers mit dem Ausstellungsformat und der Institution – wie Asher im letzten Satz seines Handzettels bestätigte: „Der Transit von einer Stelle zur anderen ist ebenfalls Teil der Installation.“

James Voorhies

1 3. Juli – 13. November 1977. Skulptur; Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte; Münster, West Germany ist der Name, den Michael Asher verwendet in: Writings 1973–1983 on Works 1969–1979, hg. v. Benjamin H. D. Buchloh, Halifax und Los Angeles 1983, S. 164; skulptur projekte münster 07 nennt die Arbeit Installation Münster: Caravan.

2 Stephan Pascher weist mit einem Blick auf die sich verändernden Faktoren einer Stadt darauf hin, dass im Jahr 1977 der Wohnwagen 19 Standorte besetzte, 1987 und 1997 jeweils zwölf und 2007 zehn verfügbare Standorte, siehe Stephan Pascher, „Phantom Limb: Michael Asher’s Sculpture Project“. In: Afterall, Nr. 17, Frühjahr 2008, S. 115.

3 Im Jahr 1977 dauerte die Ausstellung 19 Wochen. Nachfolgende Ausgaben dauerten 17 (1987), 14 (1997) und 15 (2007) Wochen.

4 Pascher 2008, S. 115.

Standort

Michael Asher
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Deutschland, „skulptur projekte münster 07“, 17. Juni – 30. September, 2007, Wohnwagen an verschiedenen Standorten.

Parkposition der 2. Woche, 25. Juni – 01. Juli, Bezirksregierung Innenhof, Geisbergweg 1–3, hinter der blauen Papierpresse.

Michael Asher
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Deutschland, „skulptur projekte münster 07“, 17. Juni – 30. September, 2007, Wohnwagen an verschiedenen Standorten.

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Michael Asher
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Deutschland, „skulptur projekte münster 07“, 17. Juni – 30. September, 2007, Wohnwagen an verschiedenen Standorten.

Parkposition der 4. Woche, 09. – 15. Juli, Alter Steinweg, gegenüber vom Kiffe-Pavillon.

Michael Asher
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Deutschland, „skulptur projekte münster 07“, 17. Juni – 30. September, 2007, Wohnwagen an verschiedenen Standorten.

Parkposition der 5. Woche, 16. – 22. Juli, am Hörster Friedhof / Piusallee, Parkplatz 4 nach der Piusallee.

Michael Asher
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Deutschland, „skulptur projekte münster 07“, 17. Juni – 30. September, 2007, Wohnwagen an verschiedenen Standorten.

Parkposition der 6. Woche, 23. – 29. Juli, An der Kleimann-Brücke Nr. 50.

Michael Asher
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Deutschland, „skulptur projekte münster 07“, 17. Juni – 30. September, 2007, Wohnwagen an verschiedenen Standorten.

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Michael Asher
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Deutschland, „skulptur projekte münster 07“, 17. Juni – 30. September, 2007, Wohnwagen an verschiedenen Standorten.

Parkposition der 8. Woche, 06. – 12. August, Königsberger Straße 133–135.

Michael Asher
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Deutschland, „skulptur projekte münster 07“, 17. Juni – 30. September, 2007, Wohnwagen an verschiedenen Standorten.

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Michael Asher
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Deutschland, „skulptur projekte münster 07“, 17. Juni – 30. September, 2007, Wohnwagen an verschiedenen Standorten.

Parkposition der 10. Woche, 20. – 26. August, Paula-Wilken-Stiege 3+5.

Michael Asher
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Deutschland, „skulptur projekte münster 07“, 17. Juni – 30. September, 2007, Wohnwagen an verschiedenen Standorten.

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Michael Asher
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Deutschland, „skulptur projekte münster 07“, 17. Juni – 30. September, 2007, Wohnwagen an verschiedenen Standorten.

Parkposition der 12. Woche, 03. – 09. September, Nienberger Kirchplatz, vor Hausnr. 6.

Michael Asher
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Deutschland, „skulptur projekte münster 07“, 17. Juni – 30. September, 2007, Wohnwagen an verschiedenen Standorten.

Parkposition der 13. Woche, 10. – 16. September, an der Ecke Möllmannsweg 7 / Hollandtstraße.

Michael Asher
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Deutschland, „skulptur projekte münster 07“, 17. Juni – 30. September, 2007, Wohnwagen an verschiedenen Standorten.

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Michael Asher
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Deutschland, „skulptur projekte münster 07“, 17. Juni – 30. September, 2007, Wohnwagen an verschiedenen Standorten.

Parkposition der 15. Woche, 24. – 30. September, Jesuiterbrook, gegenüber von Haus Hünenburg Nr. 99.

  • Noch vorhanden / Öffentliche Sammlung
  • Nicht mehr vorhanden
  • Im Museum

Weitere Teilnahmen

Weitere Teilnahmen dieses Künstlers: 1977 1987 1997